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»Die Unterstützung und Betreuung älterer Menschen geschieht zum allergrößten Teil durch Familienmitglieder und freiwillige Helfer.«

Belastungen

Körperliche Belastungen:

Diese ergeben sich aus den mit der Pflege verbundenen körperlichen Anstrengungen z.B.: Bücken, Heben, einseitige mit Kraftaufwand verbundene Bewegungsabläufe, sowie aus der häufig gestörten Nachtruhe.

Oft wird in dieser Situation kaum auf die eigene Gesundheit bzw. das eigene Befinden geachtet, Symptome/Warnsignale des eigenen Körpers werden ignoriert, Arzttermine verschoben etc. Auch Somatisierungen psychischer Belastungen sind hier nicht ausgeschlossen.

70% der pflegenden Angehörigen leiden unter körperlicher und psychischer Belastung
(Quelle: ÖBIG 2005)

Seelische Belastungen:

Diese resultieren aus Unsicherheit und Schuldgefühlen (Wie schaffe ich das? Wie soll es weitergehen? Wird sich der Zustand verschlechtern? Mache ich alles richtig? Kommen nicht andere Menschen/Aufgaben/Lebensbereiche zu kurz? Wie sieht es mit der eigenen Zukunft aus?) aber auch aus den sich verändernden Beziehungen und Rollen im Familiengefüge.

Hinzu kommt, dass Pflege sehr zeitintensiv ist (59% der pflegenden Angehörigen haben Einschränkungen in der Freizeit, 33% verbringen täglich mehr als sechs Stunden beim Pflegebedürftigen, 60% erbringen nächtliche Hilfeleistungen bis zu drei Stunden – (Quelle: SIGIS).

Pflege kann auch eine nervlich sehr strapazierende Tätigkeit sein (insbesondere wenn die pflegebedürftige Person selbst psychische Probleme im Umgang mit ihrer Abhängigkeit hat und diese z.B. in Form von Launen an der Pflegeperson „auslässt", wenn Demenzen auftreten oder aber wenn die Beziehung seit jeher schwierig war und nun erzwungenermaßen ein sehr enger Kontakt besteht). 53% pflegender Angehöriger erleben diese oben genannten psychischen Belastungen
(Quelle: Österreichischer Pflegevorsorgebericht 2007 des BMASK).

Die Weltgesundheitsbehörde hat im Jahr 2003 einen Bericht mit dem Ergebnis veröffentlicht, dass in wirtschaftlich hoch entwickelten Ländern ca. 6% der über 65-jährigen Personen Opfer häuslicher Gewalt werden, dieser Prozentsatz steigt an, wenn man die Anzahl der über 75-jährigen betrachtet.

Soziale Belastungen:

Viele pflegende Angehörige leiden unter Isolation (zu dem häuslichen Angebundensein kommt oft auch noch das Gefühl, zur Unterhaltung mit anderen ohnehin nicht sehr viel Interessantes beitragen zu können – Pflege ist kein besonders attraktives Gesprächsthema und hat als Tätigkeit ein geringes gesellschaftliches Ansehen). Die anderen Angehörigen und Freunde vermeiden ihrerseits häufig die Kontakte, sei es aus schlechtem Gewissen, aus sich zurückentwickelnden gemeinsamen Interessen, falsch verstandener Rücksichtnahme oder einfach, weil der/die andere „eh nie Zeit hat".

Materielle Belastungen:

Diese treten vor allem dann auf, wenn die Hauptpflegeperson ihre Berufstätigkeit wegen der Pflege einschränkt oder aufgibt. In weiterer Folge wird auch das spätere Einkommen aufgrund verpasster berufliche Chancen sowie die Pension aufgrund fehlender, bzw. geringerer Beitragszahlungen entsprechend geringer ausfallen. Auch pflegebedingte Aufwendungen wie z.B. Wohnungsadaptierungen kosten eine Menge Geld.
17,5% der pflegenden Angehörigen haben finanzielle Einbußen
(Quelle: Österreichischer Pflegevorsorgebericht 2007 des BMSK).

Die Folgen der Belastungen sind spürbar:
• Pflegende Angehörige berichten über Verschleißerscheinungen ihrer Gelenke, über Nacken-, Kreuz-,
  Schulter- und Hüftleiden. Kopf- und Gliederschmerzen sind ebenso häufige Begleiterscheinungen
  wie Herz-  und Magenbeschwerden, Schwindel, Schlafstörungen, nervöse Zustände und Erschöpfung.
• Auf der Suche nach Abhilfe greifen viele dann wiederum zu Mitteln, die die Gesundheit noch weiter
  angreifen: Zigaretten, übermäßiges und ungesundes Essen, Medikamente, Alkohol.
• 37% der Hauptbetreuungspersonen erleiden gesundheitliche Schäden (Quelle SIGIS).
• Pflegende Angehörige mit einer hohen Belastung haben ein erhöhtes Risiko, selbst pflegebedürftig zu
  werden bzw. eine verringerte Lebenserwartung.

Die Studie „Angehörigenpflege in Österreich" (2018) gibt u.a. einen Einblick in das Belastungserleben dieser Personengruppe. Generell geben 48% der Angehörigen in der häuslichen Pflege an, dass sie sich „sehr stark" oder „stark" belastet fühlen. Dabei stehen psychische und zeitliche Herausforderungen im Vordergrund. 56% der Angehörigen empfinden psychische Belastungen als „sehr stark" oder „stark".
(Quelle: Angehörigenpflege in Österreich, BMASGK, 2018 www.sozialministerium.at/site/Pension_Pflege/Pflege_und_Betreuung/Betreuende_und_pflegende_Angehoerige/)

Betreuende Familienmitglieder sehen sich vor allem mit folgenden seelischen Herausforderungen konfrontiert: Verantwortung, Angst und Sorge (was die Zukunft bringen wird), Verzicht und Einschränkungen, Zeitdruck und Überforderung. Ebenso können sich Schlafstörungen und Isolation manifestieren. (Quelle: BMASGK, Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege 2018 www.sozialministerium.at/site/Pension_Pflege/Pflege_und_Betreuung/Hilfe_Finanzielle_Unterstuetzung/Pflegegeld/#intertitle-10).

Was den Zeitdruck betrifft, so fühlen 54% eine „sehr starke" oder „starke" Belastung. Stress, welcher für eine Vielzahl von Belastungswahrnehmungen stehen kann, wird von der Hälfte der Betroffenen als „sehr stark" oder „stark" bemerkt. Körperliche Belastungen werden von 38% verspürt; finanzielle Belastungen werden zu 29% als „sehr stark" oder „stark" angegeben.

Verschiedene Einflussfaktoren wirken sich auf die Intensität der Belastung ist aus. So zeigt sich im Hinblick auf das Alter der hilfebedürftigen Personen, dass die Pflege und Betreuung von Minderjährigen deren Eltern besonders viel abverlangt. Diese haben zu 86% das Gefühl, rund um die Uhr für ihre kranken Kinder zuständig zu sein. Außerdem richtet sich die Pflege – anders als bei Erwachsenen – wesentlich stärker an Therapien und integrativen Zielen (z.B. Kindergarten, Schule, Ausbildung) aus.

Weiters erweist sich, dass die häusliche Pflege zu einer stärkeren Belastung führt, wenn die Pflegegeldeinstufung (und damit der Betreuungsaufwand) höher sind. Gedächtnisprobleme und demenzielle Beeinträchtigungen führen ebenfalls zu einer deutlich höheren Belastung in allen Bereichen. Mangelnde Mobilität bzw. eine Bettlägerigkeit der gepflegten Person rufen ebenso signifikant stärkere Belastungen bei pflegenden Angehörigen hervor.
All diese Umstände führen dazu, dass sich 56% der pflegenden Angehörigen oft Sorgen machen („trifft voll zu" und „trifft eher zu"). 40% der betreuenden Familienmitglieder haben das Gefühl, dass ihnen alles zu viel wird und 35% fühlen sich manchmal alleine gelassen. 30% der pflegenden Angehörigen führen an, dass ihr eigene Gesundheit auf Grund der familiären Betreuungstätigkeit leidet.
(Quelle: Angehörigenpflege in Österreich, BMASGK, 2018 www.sozialministerium.at/site/Pension_Pflege/Pflege_und_Betreuung/Betreuende_und_pflegende_Angehoerige/)
Als positive Aspekte gibt mehr als die Hälfte der Angehörigen an, durch die familiäre Pflege und Betreuung eine intensive Beziehung zur gepflegten Person zu haben. Außerdem meinen pflegende Angehörige, etwas zurückgeben zu können und sich „gebraucht" zu fühlen.

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