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»Wir brauchen einen Personenlift, um meine Mutti aus dem Bett zu heben. Beim Ansuchen dafür sind wir von Pontius zu Pilatus geschickt worden.«

Juniorcamp: Kinder müssen Kinder bleiben

"Alles normal" ist die Devise.


Auch Kinder mit schwierigen Belastungssituationen sollten 14 Tage lang „aussteigen“ können und tun, was Kinder so tun – Kindsein.
Gelegenheit dazu hatten sie im Juniorcamp des Jugendrotkreuzes mit Unterstützung der Gemeinde, Betrieben und Vereinen  von Maria Alm und Saalfelden vom 23. Juli bis 05. August 2012 in Maria Alm, Salzburg!

Ferien sind nicht für alle Kinder gleich. Wer daheim kranke Eltern hat, fährt mit einem Rucksack weg. In ihm sind die Sorgen, die geheimen Ängste eingepackt. Was geschehen könnte, was die Zukunft bringt, was...
 
Kinder gehen, so wie Erwachsene auch, sehr unterschiedlich mit dieser Last um. Vom Verdrängen bis zu Ausbrüchen, die scheinbar keine Ursache haben, ist alles da. Alles wiegt schwerer als bei Erwachsenen. Weil Kinder Kinder sind und selten den Zugang zu Informationen haben wie Erwachsene und zumeist nicht als „Belastete Mitbetreuende und Mitpflegende“ gesehen werden. Eltern versuchen oft genug, ihre Kinder durch Nichtinformation zu schützen. Das weitere Umfeld, egal ob ÄrztInnen, Pflegepersonal, LehrerInnen oder sonst Beteiligte wissen selten, wie man mit Kindern in dieser Situation wirklich umgeht. Die Kinder selbst bleiben allein – auch unter Kindern. Weil andere Kinder andere Sorgen haben.
 
Das Juniorcamp des Österreichischen Jugendrotkreuzes hat in Zusammenarbeit mit der Krebshilfe die Aufgabe übernommen, Kindern von an Krebs erkrankten Eltern einen speziellen Urlaub zu ermöglichen. Einen, in dem neben Spaß, Sport und Spiel auch auf ihre spezielle Lebenssituation geachtet wird.
 
Die 6 Betreuer/innen, die zumeist freiwillig dieses Camp betreuten, wissen um die Lage der Kinder Bescheid und auch, was notwendig und wichtig ist, um sie sozialpädagogisch-psychologisch zu entlasten.
Jeder ihrer Tage hat 24 Stunden und sie nehmen jedes Kind so wie es ist und wie es sich in diesem Augenblick verhält, ernst. Sie bieten ihnen tatsächlich Schutz und Anregung, Herausforderung und Sicherheit und das Gefühl, dass sie jetzt, in diesen Tagen und Stunden so gut es geht, abschalten durften.
 
Wir, die Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger widmen uns seit 2 Jahren dem speziellen Schwerpunkt „pflegende Kinder“.
In Österreich sind es geschätzte 20.000 Kinder, die man als „pflegende Kinder“ bezeichnet, die jedoch kaum bekannt sind oder in Erscheinung treten. Ihnen ist auf unser Betreiben hinauf eine Studie des Sozialministeriums gewidmet, um ihre Situation zu beforschen und danach geeignete Unterstützungsmöglichkeiten zu initiieren.
 
Um selbst mit Kindern, die daheim mit kranken Eltern leben, Zeit verbringen zu können und von ihnen zu lernen, habe ich am Juniorcamp teilgenommen und durfte am Tagesgeschehen teilhaben:
Zwei eindrucksvolle Tage waren es für mich. Mitzuerleben, wie die Buben zwischen 10 und 14 Jahren versuchen miteinander klarzukommen, ihre Rangordnung bestimmen und scheinbar nur einfach stürmisch sind. Wie Mädchen in diesem Alter zwischen ihrem Kindsein und zu jungen Frauen-Werden pendeln. Mit keinem Wort reden sie über das, was zu ihrem Leben mit ihren kranken Eltern, egal ob Vater oder Mutter, gehört.
 
Alles normal? Ist es ganz normal, dass die Buben ihrem Temperament entsprechend eher versuchen, lautstark aufzutreten und das, was sie vielleicht tief drinnen beschäftigt, mit Kraft zu überspielen? Ist es ganz normal, dass Mädchen sich fürsorglich, vernünftig, ausgleichend verhalten und „alles unter Kontrolle“ haben? Ist es normal, dass Kinder mit der Ungewissheit leben müssen, wie es daheim weitergeht?
 
Jeder Tag im Juniorcamp ist ein Abenteuer. Vom Morgenkreis bis zum Betthupferl. Ein paar kurze Tage, in denen sie vielleicht dann, wenn sie allein in ihren Stockbetten sind, einander anvertrauen, was sie sorgt oder ängstigt. Ein paar kurze Tage, an denen sie vielleicht neue Freundschaften schließen, die ihnen daheim weiterhelfen. Weil sie etwas Gemeinsames haben – die Last, die Kinder von kranken Eltern zu sein.

Wir als Erwachsene und als Interessensvertretung pflegender Angehöriger aber haben die Pflicht, auf die Situation der Kinder aufmerksam zu machen und alles was in unseren Kräften steht zu tun, um für ihre Unterstützung und Betreuung zu sorgen. Das Österreichische Jugendrotkreuz hat dazu einen wichtigen Meilenstein gesetzt.

Weil im Juniorcamp Kinder Kinder bleiben dürfen.

Und: es ist mir nach diesem Erlebnis ein noch viel brennenderes Anliegen, für Kinder, die diese Last der Angst und Ungewissheit um ihre kranken Eltern tragen müssen, einzutreten und für sie das Bestmögliche zu erreichen.



Birgit Meinhard-Schiebel
Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger

Unsere Facebookseite für Kinder, die ihre Eltern betreuen und pflegen: facebook: Hilfe – Mama oder Papa ist krank

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