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»Wir wollen die Lebenssituation pflegender Angehöriger durch gezieltes öffentliches Eintreten für ihre Bedürfnisse verbessern.«

Trauern in Zeiten der Krise

Der Umgang mit chronisch kranken und alten Menschen, Abschied von Sterbenden, Trauer: Das sind schon in normalen Zeiten bewegende Themen, die psychischen Stress auslösen. Derzeit kommt erschwerend hinzu, dass in Krankenhäusern, Alters- und Pflegeheimen noch sehr restriktive Zugangsregeln gelten und Abstand halten das Gebot der Stunde ist. Wie kann es trotzdem gelingen, Menschen Zuneigung zu schenken, Verbundenheit auszudrücken und mit Abschied und Trauer richtig umzugehen? Die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung (BAT), die mit ihren Mitgliedern die Expertise in Österreich bündelt, hat Empfehlungen unter www.trauerbegleiten.at/corona-2020 zusammengestellt.

Aus einer Krise herausfinden

„Trauer bedeutet oftmals eine Krise, in der die Menschen nicht im Stich gelassen werden dürfen", sagt Monika Wild, Leiterin des Bereichs Gesundheits- und Soziale Dienste beim Roten Kreuz, das derzeit den Vorsitz in der BAT innehat. Beim Roten Kreuz engagieren sich mehr als 1.000 Freiwillige in der Hospizbegleitung und Trauerarbeit. „Die Menschen sollen einen Raum haben, in dem sie sich ausreichend verstanden fühlen. Das Bedürfnis dafür ist in der Corona-Krise gewachsen. Das spüren unsere Mitgliedsorganisationen." Trauerbegleitung ist auch eine der Kernaufgaben der Hospiz- und Palliativarbeit. Sie will dazu ermutigen, Verluste und Abschiede als untrennbar mit dem Lebensweg anzuerkennen, Trauer zu erlauben und zu ermöglichen aus einer persönlichen Krise herauszufinden. Kinder brauchen eine eigene Form der Trauerbegleitung, sie nehmen den Tod anders wahr. Die Organisation Rainbows hat hierfür Tipps erarbeitet.

Pro Jahr sterben rund 80.000 Menschen, zwei Drittel davon in Krankenanstalten und Heimen. „Auch ohne physischen Kontakt ist es möglich, Sterbenden Mitgefühl auszudrücken", sagt Leena Pelttari, Geschäftsführerin des Dachverbandes Hospiz Österreich mit rund 380 Hospiz- und Palliativeinrichtungen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. „Sie können etwa übers Telefon, via SMS, E-Mail oder Smartphone-Apps in eine persönliche Beziehung treten, Lieder und Audionachrichten schicken, oder Kleinigkeiten als Zeichen der Verbundenheit vor die Tür legen: Blumen, eine Karte, eine Kinderzeichnung oder ein Stück Kuchen." Für Menschen, die Unterstützung brauchen, stehen in jedem Bundesland Hospiz-Helplines zur Verfügung

Rituale entwickeln

Befindet sich ein Familienmitglied in einer stationären Einrichtung, wie einem Hospiz, einer Palliativstation, einem Krankenhaus oder Pflegeheim, können Betroffene nach Absprache mit dem Personal der Einrichtung persönliche Geschenke zu den Sterbenden bringen lassen. Wenn das nicht möglich ist, tut es auch ein Foto. „Gemeinsame Rituale zu entwickeln, kann ungemein helfen", sagt Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich, die mobile Hospizteams unterhält, Trauerbegleitung in Gruppen, aber auch individuelle Beratung und Begleitung anbietet. Auch mit Betreuung und Trauerbegleitung übers Telefon durch Freiwillige hat die Caritas gute Erfahrungen gemacht. „Für viele ist die Trauerbegleitung eine große Hilfe. Gerade jetzt in dieser Ausnahmesituation gibt es zu viel Raum und Zeit für Trauer. Das macht es für die Betroffenen noch herausfordernder. Wir bieten deswegen Gespräche am Telefon oder via Videotelefonie in noch kleineren Gruppen an. Und wir rufen Betroffene aktiv an, fragen nach und reden mit ihnen", sagt Bernd Wachter.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung (BAT) wurde 2013 gegründet. Die Mitglieder: Kardinal-König-Haus, Caritas der Erzdiözese Wien, Dachverband Hospiz Österreich, Caritas Österreich, Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Pastoral- und Seelsorgeämter, Österreichisches Rotes Kreuz, Rainbows und Bildungshaus St. Virgil. Sie schafft durch Zusammenarbeit und gemeinsame Qualitätskriterien für die Ausbildung eine österreichweite Basis für eine qualitätsvolle Begleitung Trauernder.

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